Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur

Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur

Nicol Ljubić «Als wäre es Liebe»

«Wo es Richter gibt, braucht es Verbrecher. Das sind die Spielregeln unserer Gesellschaft. Er hat sie akzeptiert, er hat daraus eine göttliche Ordnung gemacht.» 49 Jahre muss Friedrich seine Strafe verbüssen, bevor er im Gefängnis verstirbt. Er ist ein Frauenmörder, den die deutsche Nachkriegsgesellschaft als Sündenbock für immer wegschliessen will. Sie verliebt sich in ihn, teilt die wenigen Stunden in Freiheit, die man ihm irgendwann gewährt. Es ist eine Liebe, die sie ausschliesst: aus ihrer Familie, dem Freundeskreis, der Gesellschaft eines Landes, dem sie zutiefst misstraut. In einem Kokon aus Abhängigkeit und Illusion lebt sie eine Liebe, die getrieben ist von der Überzeugung, dass es die gesellschaftlichen Umstände sind, die ihn zum Mörder machten. Und die sie ihre eigene Realität – ihren Sohn – vergessen lassen.

Nicol Ljubić lotet literarisch sensibel eine Liebesillusion aus, die dem Hass geschuldet ist und die Liebende isoliert.

Luftpost. Par Avion. Internationale Literatur in der Hauptpost
Lesung
Dienstag, 10. September 2013, 19.30 Uhr
Raum für Literatur, Hauptpost, St.Gallen
Eingang St.Leonhardstr. 40, 3. Stock
Eintritt 15 CHF, ermässigt 5 CHF
Moderation: Joachim Bitter

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